Autofotos sind eines der wenigen Instagram-Formate, bei denen das Publikum das Thema oft besser kennt als du selbst. Kenner lesen Emblem, Felgen und Kennzeichen, bevor sie ein Wort lesen, eine Bildunterschrift, die erklärt, was für ein Auto das ist, verschwendet also die Zeile.
Sag stattdessen den Teil, den man nicht sieht: was es dich gekostet hat, wie lange der Umbau gedauert hat, wo du morgens um sechs damit gefahren bist. Instagram schneidet die Bildunterschrift nach etwa zwei Zeilen ab, ein Satz ist also das ganze Budget.
Tag der Übergabe
- Unterschrieben. Fühlt sich noch nicht echt an.
- Zwei Jahre Sparen stehen jetzt vor der Tür.
- Natürlich im Regen abgeholt.
- Nichts geht über die erste Fahrt nach Hause.
- Hab mir eingeredet, ich sei vernünftig.
- Das Versicherungsangebot war charakterbildend.
- Es riecht neu, und ich verteidige das mit allem, was ich hab.
- Kleines Auto, großer Tag.
Roadtrips
- Neun Stunden, eine Playlist, null Reue.
- Snacks gepackt von jemandem, der Tankstellen nicht traut.
- Die lange Strecke genommen, weil sie auf der Karte besser aussah.
- Drei Bundesländer vor dem Mittagessen.
- Alle geschlafen außer dem Fahrer.
- Hielten für ein Foto von einem Feld an. Es war ein gutes Feld.
- Das Auto hat es besser weggesteckt als wir.
- 1.100 Kilometer und ein Streit ums Aux-Kabel.
Nachtfahrten
- Leere Straßen, kein Ziel.
- Die Stadt sieht um 1 Uhr nachts durch die Windschutzscheibe besser aus.
- Nichts hat auf, nirgendwo muss ich hin.
- Scheinwerfer und ein gutes Album.
- Gefahren, bis die Laune besser wurde.
- Manche Probleme löst man nur mit Tempo 40 durch die Stadt um Mitternacht.
- Kalte Luft, warme Sitze.
Projektautos und Umbauten
- Zwei Jahre Samstage.
- Endlich angefangen.
- Die Teile haben mehr gekostet als das Auto.
- Jede Schraube daran war mindestens einmal ab.
- Läuft. Das ist das ganze Update.
- Kaputtgemacht, repariert, was gelernt.
- Fünfzehn Stunden in der Garage, eine sichtbare Veränderung.
- Das Vorher-Foto darf niemand sehen.
Erstes Auto
- Nicht schnell, nicht schön, meins.
- Rost und Freiheit.
- Hatte 220.000 Kilometer drauf und keine Beschwerden.
- Bar bezahlt vom Ferienjob-Geld.
- Die Heizung ging nur in eine Richtung.
- Hab an diesem Ding alles gelernt.
- Furchtbares Auto, bestes Jahr.
Kurz und klar
- Kilometer gut investiert.
- Getankt und weg.
- Einfach fahren.
- Gebaut, nicht gekauft.
- Besser mit offenen Fenstern.
- Irgendwo, mit Tempo.
- Gleiche Straße, besseres Auto.
- Wochenendkennzeichen.
- Sauber für genau eine Stunde.
- Jede Rate wert.
Waschen und Aufbereitung
- Zwei Stunden geputzt, elf Minuten Regen.
- Alles geknetet, keine Reue.
- Felgen ab, richtig gemacht, einmal im Jahr.
- Neue Fußmatten, unangemessen glücklich darüber.
- War noch nie so sauber und wird es nie wieder sein.
- Aufbereitung am Sonntag ist die günstigste Therapie, die es gibt.
Wie du eine auswählst
Fang mit dem an, was das Foto nicht zeigt. Dass es ein schwarzes Coupé ist, sieht jeder, erzähl stattdessen, dass es zwei Jahre Samstage gekostet hat oder dass du es im Regen nach Hause gefahren hast. Passe die Bildunterschrift zum Bild: eine Fahraufnahme bei Nacht will etwas Stimmungsvolles, ein mit Werkzeug übersätes Garagenfoto etwas Trockenes über die Arbeit. Setz die Zahl nach vorn, falls es eine gibt, denn “1.100 Kilometer und ein Streit ums Aux-Kabel” liest sich schneller als ein Satz, der die Zahl erst am Ende bringt. Stell nur Fragen, die du auch beantwortest, denn Autoposts bekommen technische Kommentare, und die zu ignorieren kommt in dieser Nische, in der man sich austauscht, schlecht an. Bleib mit dem Tool zur Bildunterschriften-Länge innerhalb des Schnitts.
Postest du oft dasselbe Auto und wiederholst dich dabei, liefert der Bildunterschriften-Umschreiber schnell einen anderen Blickwinkel auf eine Zeile, die du schon mal benutzt hast.
Noch eine letzte Sache: Verlink die Leute, die die Arbeit gemacht haben. Karosseriebauer, Folierer und freie Werkstätten bekommen einen Großteil ihrer Aufträge genau über solche Beiträge, sie korrekt zu nennen ist fair und der Grund, warum sie dich weiterteilen.